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Das Interview März mit Stefan Herheim
Zum Interview: Hier


Ich bin Stefan Herheim und stehe hier gerade am Rosenthaler Platz. Ich bin Opern-Regisseur und habe die große Freude ein Experiment an der Komischen Oper Berlin zu wagen: Offenbachs Opéra bouffe »Barbe-bleue« oder »Blaubart«, wie es auf Deutsch heißt. Es wurde in Deutschland vor allem durch Walter Felsenstein geprägt, der eine maßgebliche Restauration dieses Stückes herbeigebracht hat durch seine legendäre Inszenierung an der Komischen Oper Berlin. Es kam 1963 heraus, wurde hunderte Male gespielt und ging auf der ganzen Welt auf Tournee. Er hatte das Stück „Ritter Blaubart“ übersetzt, weil das auch der Titel des damals noch relativ bekannten Märchens war, das dann aber ein bisschen in Vergessenheit geraten ist. In Frankreich war es allerdings auch damals noch viel berühmter, bzw. es hatte eine größere Beliebtheit als in Deutschland.
Es geht in der Operette, um das mal auf einen Punkt zu bringen, um die Überlistung des Todes. Es sterben ungeheuerlich viele Menschen in diesem Stück, aber am Ende erweist sich dieser Tod als Betrug. Niemand ist wirklich ermordet worden und niemand hat sich getraut tatsächlich die Befehle der Mächtigen auszuführen. Und alle, die vermeintlich verschwunden waren, steigen wieder aus ihren Gräbern und erweisen sich als sehr lebendig und werfen sich eben in das phänomenale Spektakel Offenbachs hinein. Natürlich auch, um uns ein bisschen an der Nase herumzuführen. Dieses euphische Mysterium, was eigentlich Ausgangspunkt und Ende jeglichen operatischen Denkens ausmacht, nämlich diese Idee der Überwindung des Todes steht für mich ganz zentral auch in Offenbachs Schaffen und fasziniert mich sehr in Bezug auf die Frage: Inwiefern ist die Oper tot? Beziehungsweise inwiefern ist die Operette in dieser Form eine alte, längst überholte Form von Todeskult, den wir noch betreiben in einer ziemlich anachronistisch gewordenen und merkwürdigen, kulturschaffenden Gesellschaft? Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir durch den Tod neu aufsteigen aus der Asche und uns tatsächlich erfinden mit einem bewussten Blick auf unsere Vergangenheit - auch in dem Sinne: wohin gehen weiter? Die Premiere »Blaubart« ist am 17. März 2018.

(Das Interview wurde geführt am 15. März 2017)
(c) Wolfgang Silveri