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05.01.2018, 19:30 Uhr
Deutsche Oper Berlin

21. | 24. Mär 2018
Tosca
Melodramma in drei Akten
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
nach dem Drama LA TOSCA von Victorien Sardou
Uraufführung am 14. Januar 1900 in Rom
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 13. April 1969
Musikalische Leitung John Fiore
Inszenierung Boleslaw Barlog
Bühne, Kostüme Filippo Sanjust
Mario Cavaradossi Brian Jagde
Angelotti Byung Gil Kim
Der Mesner Jan Martiník
Spoletta James Kryshak
Sciarrone Andrew Harris
Ein Schließer Sam Roberts-Smith

3 Stunden / Zwei Pausen

Sehr geehrte Damen und Herren, aller Einsatz zeigt erste Wirkungen! Das intensive Trocknen und Belüften – nach dem am 24. Dezember aufgetretenen großen Wasserschaden auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin – führte am 27. Dezember 2017 dazu, dass sich erstmalig der Eiserne Vorhang wieder heben und einige Züge fahren ließen. Das heißt, alle Künstler und Mitarbeiter stehen bereit, damit ab dem 28. Dezember die ersten Vorstellungen für unser Publikum über die Bühne gehen können. Da der Orchestergraben unbeschadet blieb, kann damit die geplante Aufführung von Puccinis „Tosca“ am 5. Januar auch szenisch, in Kostüm und Maske sowie in veränderter Dekoration bei eingeschränkter Beleuchtung stattfinden. Wer diese Vorstellungsform nicht erleben möchte, erhält den Kartenpreis mittels des Formulars auf der Website www.deutscheoperberlin.de ersetzt, Informationen auch beim telefonischen Kartenservice unter 030-34384 343.Damit wird der einstweilen ausgesetzte Vorverkauf wieder aufgenommen. Ab wann szenische Vorstellungen in gewohnter Form möglich sein werden, darüber informieren wir zu gegebener Zeit.Für Rückerstattungen durch die Deutsche Oper Berlin gilt: Für bezahlte Eintrittskarten haben die Gäste die Wahl des Umtauschs auf ein anderes Vorstellungsdatum oder in einen Gutschein sowie die Rückerstattung des Kaufpreises. Die Gäste werden gebeten, ein Auszahlungsformular ausgefüllt und zusammen mit ihren Tickets an die Deutsche Oper Berlin – Kartenservice, Richard-Wagner-Straße 10, 10585 Berlin zu senden. Das Formular steht ab jetzt zum Herunterladen auf www.deutscheoperberlin.de bereit und kann des Weiteren per E-Mail oder telefonisch angefordert werden. Besucher der Deutschen Oper Berlin können das Formular alternativ auch zusammen mit einem Scan ihrer Eintrittskarten an info@deutscheoperberlin.de senden. Für Fragen steht der Karten- und Besucherservice unter der Telefonnummer +49 (0)30-343 84 343 zur Verfügung.

Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts
Der Kinderchor der Deutschen Oper Berlin wird unterstützt von der Berliner Volksbank.

Die literarische Vorlage zu Puccinis „Folteroper“ (Oskar Bie) lieferte Victorien Sardou (1831–1908) mit seinem erfolgreichen Theaterstück LA TOSCA, das 1887 in Paris mit Sarah Bernhardt in der Titelrolle uraufgeführt wurde. Nachdem Puccini 1889 das Stück auf einer Tournee in Mailand erlebt hatte, war er auf Anhieb begeistert von dem Stoff. Aber der TOSCA-Plan bleibt zunächst sechs Jahre liegen, bis Puccini, vermutlich angeregt durch eine weitere Aufführung des Sardou-Dramas in Florenz und durch Luigi Illicas Arbeit an einem TOSCA-Libretto für den Komponisten Alberto Franchetti (1860–1942), Interesse an dem Stoff findet. Nach einer „Verschwörung“ zwischen Puccini, Illica und Ricordi gelingt es dem Verleger, Franchetti zur Aufgabe seines TOSCA-Projektes zu bewegen und Puccini die Vertonungsrechte zu überlassen.

Wie in allen Opern Puccinis zeigt auch TOSCA, wie sich menschliche Aufmerksamkeit und kulinarisches Vergnügen einander bedingen können, wenn die künstlerischen Intentionen des Komponisten zum Maßstab der Interpretation werden. Der Aufschrei wie die Resignation sind die wesentlichen Bedingungen der humanen Aufmerksamkeit Puccinis: Das Mitleid, das er komponierte, begnügt sich nicht mit abstrakten Gesten, sondern zielt auf Unruhe, auf Veränderung. Aus den »kleinen Dingen«, die Puccini mit modernem Understatement als seinen Gegenstand bezeichnete, werden „große“, sofern wir das nur wollen. Der Zusammenhang zwischen Puccinis direkt und indirekt vom Geist Zolas, Hauptmanns und Gorkis beeinflusster Stoffwahl und seiner Kompositionsweise lässt darauf schließen, dass man ihm mit der Bezeichnung als Verdi-Nachfolger mit dem Etikett des Verismo versieht. Bekanntlich war er ein großer Wagner-Verehrer, aber alles andere als ein Epigone. Vielmehr schuf er eine sehr persönliche Verbindung aus einigen Errungenschaften beider. Alle gewonnenen Verfeinerungen der Harmonie und alle Differenzierungen der Instrumentation verarbeitend, erlöste er dennoch die Stimme aus der orchestralen Verflechtung und gab ihr zugleich ein weitaus gebrocheneres, klangsensibleres Accompagnato im Orchester als der radikale Lakoniker Verdi. Dafür steht auch die ästhetische Thematik der TOSCA. Der musikalische Gestus ist ebenso brutal wie zärtlich, intelligent wie sentimental, präzise wie träumerisch. Puccini möchte unbedingt Lebenswahrheit, Genauigkeit auch des musikalischen Details, soziale Aufmerksamkeit, den poetischen Klang des scheinbar Alltäglichen, das Heroische mit Kalkül, den Kontrast zwischen engagierter Leidenschaft und kühler Distanz.
Der Polizeichef Scarpia, die Sängerin Floria Tosca und der Maler Cavaradossi beanspruchen Freiheit in jeder persönlichen Variante: als dynamisch-subjektiven Machtanspruch (Scarpia), als auf Veränderung zielendes rebellisches Ethos (Cavaradossi), als private, schlichte und zugleich grenzenlose Liebe (Tosca).

In einer Zeit epochaler Umwälzungen gewinnen solche Haltungen exemplarische Sinnfälligkeit. Je nachdem, wie wir uns und Puccini in dieser Zeit begreifen, bleibt TOSCA eine Schauerromanze oder gerät zum Menetekel des Themas „Freiheit“. Jedenfalls bezahlt jeder der konträren Partner diese Dreiecksgeschichte mit dem Tod. Ihr Sterben nimmt keine Erlösungsgloriole für sich in Anspruch, sondern ist bitter, entsetzlich, definitiv.

Götz Friedrichs 1987 vorgenommene Neueinstudierung von Boleslaw Barlogs geradliniger und auf szenische Konkretheit bedachter Inszenierung aus dem Jahr 1969 nimmt die Intentionen Puccinis beim Wort – die gegenseitige Bedingtheit von menschlicher Aufmerksamkeit und kulinarischem Vergnügen wird von der Musik inspiriert zum Ausgangspunkt auch der szenischen Interpretation.