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29.12.2017, 19:30 Uhr
Deutsche Oper Berlin
La Bohème
Oper in vier Bildern
Szenen nach Henri Murgers „Scènes de la vie de bohème“
Libretto von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa
Uraufführung am 1. Februar 1896 in Turin
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 25. Dezember 1988

2 Stunden 30 Minuten / Eine Pause

Sehr geehrte Damen und Herren, aller Einsatz zeigt erste Wirkungen! Das intensive Trocknen und Belüften – nach dem am 24. Dezember aufgetretenen großen Wasserschaden auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin – führte am 27. Dezember 2017 dazu, dass sich erstmalig der Eiserne Vorhang wieder heben und einige Züge fahren ließen. Das heißt, alle Künstler und Mitarbeiter stehen bereit, damit ab dem 28. Dezember die ersten Vorstellungen halbszenisch für unser Publikum über die Bühne gehen können. Da der Orchestergraben unbeschadet blieb, können damit die geplanten Aufführungen von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ am 28. Dezember, von Puccinis „La Boheme“ am 29. Dezember sowie Silvester um 15 und 19.30 Uhr und Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ am 30. Dezember halbszenisch (mit Künstlern in Kostüm und Maske und in improvisiertem Bühnenlicht) stattfinden. Gleichzeitig lädt die Deutsche Oper Berlin vor der Vorstellung jeden Zuschauer zu einem Glas Sekt oder anderen Getränks ein.Wer diese einmalige Vorstellungsform nicht erleben möchte, erhält den Kartenpreis mittels des Formulars auf der Website www.deutscheoperberlin.de ersetzt, Informationen auch beim telefonischen Kartenservice unter 030-34384 343.Damit wird der einstweilen ausgesetzte Vorverkauf wieder aufgenommen. Ab wann szenische Vorstellungen in gewohnter Form möglich sein werden, darüber informieren wir zu gegebener Zeit.Für Rückerstattungen durch die Deutsche Oper Berlin gilt: Für bezahlte Eintrittskarten haben die Gäste die Wahl des Umtauschs auf ein anderes Vorstellungsdatum oder in einen Gutschein sowie die Rückerstattung des Kaufpreises (betrifft die Vorstellungen von 28. bis 31. Dezember 2017). Die Gäste werden gebeten, ein Auszahlungsformular ausgefüllt und zusammen mit ihren Tickets an die Deutsche Oper Berlin – Kartenservice, Richard-Wagner-Straße 10, 10585 Berlin zu senden. Das Formular steht ab jetzt zum Herunterladen auf www.deutscheoperberlin.de bereit und kann des Weiteren per E-Mail oder telefonisch angefordert werden. Besucher der Deutschen Oper Berlin können das Formular alternativ auch zusammen mit einem Scan ihrer Eintrittskarten an info@deutscheoperberlin.de senden. Für Fragen steht der Karten- und Besucherservice unter der Telefonnummer +49 (0)30-343 84 343 zur Verfügung.

Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts
Der Kinderchor der Deutschen Oper Berlin wird unterstützt von der Berliner Volksbank.

Puccini hatte sich bereits mit EDGAR [1889] und mit MANON LESCAUT als genialer musikalischer Kolorist erwiesen, doch erst mit LA BOHÈME wird jene Übereinstimmung zwischen dem Stoff und seiner musikalischen Gestaltung erreicht, von der Claude Debussy schwärmte: »Ich kenne niemanden, der das Paris dieser Zeit so gut beschrieben hat wie Puccini in LA BOHÈME«. Puccinis impressionistische Klangtechnik verbindet subjektives Empfinden mit objektiver Tonmalerei. Tonmalerische Elemente, musikalische Schilderungen des Ambientes, effektvolles musikalisches Lokalkolorit verbreiten ihren Zauber vom 1. Bild an, wenn Rodolfo und Marcello das Dramenmanuskript verbrennen oder wenn der Dichter der ohnmächtigen Mimì das Gesicht mit Wassertropfen benetzt, wenn im 2. Bild der Chor als Volksmenge mit dem für die Militärparade eingesetzten Bühnenorchester kontrastiert wird, wenn im 3. Bild mit sparsamen, ausgesuchten musikalischen Mitteln die Atmosphäre eines kalten Wintermorgens entsteht.

An einem frostigen Weihnachtstag in einem Pariser Dachatelier versuchen Rodolfo, der Schriftsteller und Marcello, der Maler, zu arbeiten. Sie hungern, haben kein Brennmaterial für ihren Ofen und kein Geld für die Miete. Colline, der Philosoph, wollte Bücher ins Leihhaus bringen und kommt unverrichteter Dinge zurück. Der Musiker Schaunard hatte mehr Glück, er bringt Esswaren, Brennholz, Zigarren und Geld. Die Freunde gehen ins Café Momus, nur Rodolfo will arbeiten. Er wird gestört von einer Nachbarin, die um Licht bittet, dabei einen Schwächeanfall erleidet und ihren Wohnungsschlüssel verliert. So verliebt sich Rodolfo in Mimì, die Stickerin, die unheilbar an Tuberkulose erkrankt ist. Zwei Monate später lässt er sie im Stich, weil er es nicht aushält, hilflos zuzusehen, wie sich Mimìs Krankheit in seiner armseligen kalten Behausung verschlimmert. Sechs Monate später bringt Musetta, die lange Zeit die Geliebte Marcellos war, Mimì todkrank zurück. Musetta gibt ihre Ohrringe hin, um Medizin zu kaufen, Colline seinen Mantel. Mimì ist dankbar und glücklich. Rodolfo glaubt, sie sei in einen heilsamen Schlaf verfallen. Aber Mimì ist tot.

LA BOHÈME trägt in dramaturgischer Beziehung Züge eines Experiments, das im Schaffen Puccinis ohne Wiederholung geblieben ist: Aus der lockeren Episodenfolge von Louis Henri Murgers Roman haben die beiden Librettisten Illica und Giacosa ein Libretto geformt, dessen künstlerische Maxime darin bestand, die Personen und das Ambiente des Romans zu erhalten, in der Auswahl und Behandlung der Episoden dagegen Freiheit walten zu lassen. Sie gliederten ihr Textbuch nicht in Akte, sondern in Bilder, die nur durch das Band der Liebesgeschichte zwischen Rodolfo und Mimì zusammengehalten werden. Einen Kontrapunkt dazu bildet die Beziehung zwischen Musetta und Marcello.
»So wie LA BOHÈME immer Persönlichstes anspricht und herausfordert - intellektuelle Snobisten und frustrierte Beckmesser sollten die Oper meiden! -, kann ich nur sehr persönlich hinzufügen: In dreißig Jahren etwas älter geworden, ist die Sehnsucht gewachsen, den Hoffnungen und Enttäuschungen, Träumen und Schmerzen der Jugend nachzuspüren und sie im Spiel, zu Bild, Handlung und Klang geformt, nachzuvollziehen. So wird die neue Begegnung mit diesem Werk Ausdruck der Sehnsucht nach der eigenen Jugend. Ich denke, darin liegt das offene Geheimnis der noch immer lebendigen Aktualität von Puccinis LA BOHÈME.« [Götz Friedrich 1988]