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24.04.2017, 20:00 Uhr
Foyer der Deutschen Oper Berlin
Geistermusik
5. Tischlereikonzert
Gibt es etwas Schaurigeres als die Ballade vom Erlkönig? Sie ist der Inbegriff des Grusels in der deutschen Literatur. Franz Schubert hat Goethes „Ballade aller Balladen“ vertont, ebenso wie die Verse Matthias Claudius' „Der Tod und das Mädchen“. Derek Welton und Erika Le Roux werden u. a. diese beiden Kunstlieder des Himmelpfortgrundners interpretieren. Makaber geht es auch bei den beiden Komponisten der Jahrhundertwende zu: „Zig et zig et zig, la mort cri cadence / Frappant une tombe avec son talon, / La mort à minuit joue un air de danse, / Zig et zig et zag, sur son violon.“ (Zick und zick und zick, so klopft der Tod im Takt mit seiner Ferse an ein Grab, um Mitternacht spielt der Tod eine Weise, zick und zick und zack, auf seiner Geige.) Saint-Saëns lässt seinen Tod – wie in alten Bänkelspielen – als Fiedler auftreten, der seine Personnage über alle Standesgrenzen hinweg in den wollüstigen Totentanz treibt, bis der Hahnenschrei den Spuk beendet: „Et vive la mort et l'égalité!“ Dieser „Danse Macabre“ erklingt in der Version für Violine und Klavier. Auch Edgar Allan Poes „The Mask of the Red Death“ lässt den Tod in einen morbiden Ball eindringen. Fürst Prospero glaubt mit seinem Hofstaat der Pest entkommen zu können, indem er sich hinter hohen Mauern verschanzt. Nur lässt sich der Tod – „vive la mort et l’egalité!“ – nicht aufhalten. 1919 schuf André Caplet „Le masque de la mort rouge“ für Harfe und Streichquartett. Ist das Unheimlich-Schauerliche in diesen Werken programmatisch angelegt, erhielt eines der berühmtesten Klaviertrios von Beethoven diesen seinen Zusatz „Geistertrio“ von einem Epigonen verliehen. Carl Czerny fühlte sich beim Klang des 2. Satzes an die Geisterszene in „Hamlet“ erinnert: Das Largo sei „geisterhaft schauerlich, gleich einer Erscheinung aus der Unterwelt.“ Und letztlich erklingen noch die „Epitaphs“ des 1961 in Brisbane geborenen Brett Dean. Der australische Violinvirtuose und Komponist schuf sie 2010, nachdem fünf seiner besten Freunde in kürzester Zeit verstarben. In seinen „Program Notes“ räumte er ein, dass er sich auf die Quintettmusik Schuberts, Brahms' und Mozarts.

Auf dem Programm

Camille Saint-Saëns (1835 – 1921)
„Danse macabre“ op. 40 für Violine und Klavier

Franz Schubert (1797 – 1828)
„Der Tod und das Mädchen“
„Erlkönig“

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Klaviertrio D-Dur, opus 70,1 „Geistertrio“


Ralph Vaughan Williams (1872 – 1958)
„The Infinite Shining Heavens“

Franz Schubert (1797 – 1828)
„Litanei auf das Fest Allerseelen“

Brett Dean (*1961)
„Epitaphs“ für Streichquintett

André Caplet (1878 – 1925)
„Le masque de la mort rouge“ Conte fantastique d'après Edgar Allan Poe
für Harfe, Streichquartett und Kontrabass

Gustav Mahler (1860 – 1911)
„Ich bin der Welt abhanden gekommen“
(bearbeitet von Douglas V. Brown für Streichquartett, Englischhorn und Harfe)