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09.04.2017, 16:00 Uhr
Deutsche Oper Berlin


Der Ring des Nibelungen - Götterdämmerung
Dritter Tag
Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend
Uraufführung am 17. August 1876 in Bayreuth
Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 6. Oktober 1985
Musikalische Leitung Donald Runnicles
Inszenierung Götz Friedrich
Bühne, Kostüme Peter Sykora
Siegfried Stefan Vinke
Gunther Seth Carico
Brünnhilde Evelyn Herlitzius
Waltraute Daniela Sindram
Erste Norn Ronnita Miller
Zweite Norn Irene Roberts
Dritte Norn Seyoung Park
Wellgunde Christina Sidak
Floßhilde Annika Schlicht

5 Stunden 45 Minuten / Zwei Pausen

Beide Zyklen DER RING DES NIBELUNGEN werden ausschließlich als Abonnement verkauft. Ein Tausch zwischen den Zyklen ist nicht möglich.

Einführung: 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Rang-Foyer rechts
„Dieser RING in Berlin wurde 1984 und 1985 inszeniert. Da war das Orwellsche Jahr „1984“ schon lange nicht mehr aktuell; wir hatten es ja erreicht und schon überschritten! Aber nicht nur deshalb sollte, musste die Konzeption gegenüber London fast grundsätzlich geändert werden. Der Berliner „Zeittunnel“ wollte nichts anderes als letztlich die Worte Gurnemanz’, Wagners Worte an Parsifal, befolgen: „Du siehst, mein Sohn, zum Raum wird hier die Zeit.“ In diesem Tunnel gelang es uns manchmal, die verschiedenen Zeiten, die Zeitgeschichte, die der RING bildet und darstellt, in einem Raum konkret Ereignis oder Spiel werden zu lassen. Und mehr konnte damit gefunden oder gesagt werden: alles, was war, kann noch einmal sein. Und was sein wird, war schon einmal, anders vielleicht, aber ähnlich. Anfang ist Ende, und Ende ist immer wieder nur Anfang. Diese Idee wurde konkretes Bild in der Anfangsszene von RHEINGOLD und in dem Schlussbild der GÖTTERDÄMMERUNG. Die vermummten Götter sitzen auf der Bühne, in Leichentücher gehüllt, wie Lemuren. Und dieses Bild wirkt anderthalb Minuten ohne Musik, bis das Es einsetzt. Das war meine größte Angst: Ich dachte, die Berliner werden sofort nach zehn Sekunden rufen: „Anfangen, anfangen! Wo ist das Orchesterlicht? Fehlt ein Hornist?“ oder etwas Ähnliches. Aber es war unglaublich: sie gelangen, diese anderthalb Minuten absoluter Stille. Und in diese Stille hinein, diese quälende Wahnsinnsstille, kam der erste Ton. Es entwickelte sich die Musik in ihrer Konstruktion von Tonschritten, Harmonien, Melodie und Rhythmus – die Erschaffung der europäischen Musik, wenn man so will, am Beginn des ganzen RING. Die Götter erhoben sich und begannen das Spiel zu spielen, möglicherweise als hätten sie es schon oft gespielt, und als würden sie immer wieder neue Erfahrungen im Spiel machen wollen. Ist dies nicht der eigentliche Sinn von Theater? Wenn dann am Schluss der GÖTTERDÄMMERUNG alles verbrannt und zerstört ist, wenn der Rhein in Form eines riesigen weißen Tuches das Zerstörte und Verbrannte überdeckt, sitzen sie wieder da wie zu Beginn, bereit, das Spiel wieder und noch einmal – vielleicht immer wieder – zu spielen. Ob wir, indem sie das spielen, klüger werden, ob wir damit reicher werden? Der Regisseur stellt anheim.“ (Götz Friedrich, 1985)

„Die Nornen sitzen anfangs zwischen roten Tauen, als wären Telefonkabel archaisiert. Der Abschied Siegfrieds von Brünnhilde entspricht optisch dem letzten Bild in Siegfried: weiße Asche ist über die Bühne gestreut, anfangs wie ein großes Hochzeitsbett, das nun verlassen wird. Die Gibichungenwelt wird – in Anlehnung an die Londoner Idee – mit Glassäulen aus verzerrenden Linsen gebildet, die die Verkehrung und Verkehrtheit alles Menschlichen in der Spätzivilisation bezeichnen. In solche Welt tritt Siegfried wie der „Midnight-Cowboy“ Dustin Hoffmanns: Da spielt es auch keine Rolle mehr, ob der Vergessenstrank wirklich gemixt wurde. Siegfried, die Hoffnung seines Großvaters, ist bereits durch seinen Eintritt in diese Welt stigmatisiert.“ (Götz Friedrich, 1990)

„Stets herausgefordert vom Umgang mit der Zeit, antizipierte Götz Friedrich in Berlin den Ring als Ausblick auf die Jahrtausendwende. Das Zeitphänomen ist Bestandteil seiner Konzeption, deren Leitfaden die Partitur ist. Selten wurde in den letzten zwanzig Jahren der Ring so grundmusikalisch, und, trotz unkonventioneller Optik, so werkgerecht inszeniert. In GÖTTERDÄMMERUNG realisiert Götz Friedrich in manchen Phasen die Apotheose der Musik auf der Bühne, eben jene von Nietzsche beschworene Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik.“ (W. Bronnenmeyer, Nürnberger Zeitung)