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Im Interview: Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper Unter den Linden
Am 1. April 2018 tritt Matthias Schulz nach zwei Jahren Ko-Intendanz mit Jürgen Flimm seinen Posten als alleiniger Intendant der Staatsoper Unter den Linden an. Uns hat er von bewegenden Momenten und Höhepunkten der kommenden Saison erzählt.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren hier an dieser Musikinstitution mit ihrer großen Geschichte – zunächst im Schiller Theater, jetzt im Stammhaus Unter den Linden. Was empfinden Sie auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz?

Ich freue mich täglich, hier im Herzen des historischen Zentrums von Berlin ins Büro zu kommen und genieße es, über den Bebelplatz auf unser rosa Gebäude zuzugehen. Immer wieder berührend ist, zu erleben, mit welcher starken Identifikation die Mitarbeiter an diesem von ungeheuren historischen Brüchen geprägten Haus hängen.

Gibt es einen Augenblick, der stellvertretend für Ihre persönliche „Faszination Staatsoper“ steht?

Ein wirklich ganz besonderer Moment war, als wir die allerersten Takte der Staatskapelle Berlin im frisch sanierten Saal hören konnten. Es war bewegend, wie emotional viele langjährige Orchestermitglieder und Mitarbeiter aus der Technik auf die Rückkehr und insbesondere auf die verbesserte Akustik reagiert haben. Alle haben gespürt, dass dies nicht einfach irgendeine Wiedereröffnung ist. Es war motivierend für alles, was jetzt kommt.

Was bedeutet es für Sie, in diesem Haus Oper auf die Bühne zu bringen?

Mir ist sehr wichtig, dass hier Oper ohne Distanzgefühl entsteht. Mit 1400 Plätzen ist die Staatsoper nicht riesig, aber sie hat eine gute Größe. Das Publikum ist nah am Bühnengeschehen, kann die Mimik der Sänger und Schauspieler sehr differenziert erfassen, ebenso die Musik in ihrer ganzen dynamischen Bandbreite. Dazu kommen die neuen technischen Möglichkeiten: Die Kippfunktion der Bühne, der 30 Meter hohe Bühnenturm, die 9 m tiefe Unterbühne – mit ihrer Hilfe lassen sich in Sekunden neue Welten erschaffen. Wir möchten Neugier auf Oper als lebendige, mit allen Sinnen erfassbare Kunstform wecken.

Was steht im Zentrum der nächsten Saison?

Unser Grundakkord bleibt „Verdi – Wagner – Strauss“. Plus Mozart, der mir in den letzten Jahren hier fast ein bisschen gefehlt hat. Es wird aber auch ein neues Festival für Barockmusik, die „Barocktage“, und „Linden 21“ mit innovativen Musiktheaterformen geben.

„Linden 21“ nutzt unterschiedliche Räume im Haus als Bühne – was erwartet das Publikum in dieser Hinsicht?

Um drei Projekte herauszugreifen: Im alten Orchesterprobesaal spielen wir „Usher“ – ein Opernfragment von Claude Debussy nach Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „The Fall of the House of Usher“, das die belgische Annelies Van Parys in eine Kammerfassung gebracht und ergänzt hat. In der Inszenierung von Philippe Quesne sitzt das Publikum mit in dem düsteren namensgebenden Anwesen. Auf der Hauptbühne findet „himmelerde“ mit der „Musicbanda Franui“ statt, die das Instrumentarium der Berge benutzt. Sie hat übrigens ganz phantastisch Schubert-Lieder in ihre Sprache übersetzt. Bei uns wird das Ensemble gemeinsam mit der Berliner „Familie Flöz“, Anna Prohaska und Florian Boesch einen sehr ungewöhnlichen Musiktheaterabend gestalten. Im Apollosaal wird es im Rahmen der Barocktage „A Monteverdi Project“ geben – eine Uraufführung der israelischen Regisseurin und Choreographin Saar Magal, die sich mit der Veränderung von Liebe und Sexualität unter dem Eindruck technologischer Entwicklungen auseinandersetzt. Mit dabei ist der Kontrabassist Haggai Cohen-Milo, der in der Klassik wie im Jazz zu Hause ist. Während der Probenphase, die länger ist als gewöhnlich, entwickelt sich das Stück überhaupt erst. Das Haus zu öffnen und auch Improvisation Raum zu geben, ist mir ein Anliegen.

Was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Ich freue mich natürlich sehr auf die große Eröffnungspremiere der „Medea“ von Luigi Cherubini in der französischen Urfassung mit Daniel Barenboim. Auf Jean-Philippe Rameaus „Hippolyte et Aricie“ während der Barocktage mit Simon Rattle, bei der Ólafur Eliasson die gesamte Szene und Ausstattung machen wird. Und auf die Uraufführung von Beat Furrers Psychodrama „Violetter Schnee“, bei dem unglaublich starke Bilder entstehen werden. Eine echte Entdeckung ist Prokofjews einzige Komödie, „Die Verlobung im Kloster“, mit der Dmitri Tcherniakov, der für Inszenierung und Bühnenbild verantwortlich ist, sozusagen eine Jugendliebe verbindet. Er hat das Stück als Heranwachsender nämlich zahllose Male in Moskau gesehen. Sehr froh bin ich auch, dass wir von Jörg Widmanns 2012 komponierter Oper „Babylon“ eine neue „Berliner Fassung“ uraufführen werden. Da haben wir die seltene Möglichkeit, ein zeitgenössisches Stück noch einmal weiterzuentwickeln.

Interview: Annette Zerpner
(c)