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Interview mit Alexander Steinbeis
Tugan Sokhiev verabschiedet sich in seinen letzten beiden Konzerten als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin mit Hector Berlioz' Dramatischer Legende „La damnation de Faust“. Orchesterdirektor Alexander Steinbeis stand in den letzten Jahren eng an der Seite des Maestro und freut sich auf das große Finale am 25. und 26. Juni.

Zum Saisonabschluss steht beim DSO „La damnation de Faust“ auf dem Programm. Das Werk wird auch immer wieder für die Opernbühne inszeniert. Was ist es denn nun: Konzertante Oper, Kantate oder ausgedehnte Vokalsymphonie?

Alexander Steinbeis: Alles zusammen. Dieses Werk ist gerade deshalb so interessant, weil es zwischen den Genres steht. Wenn wir es spielen, rückt selbstverständlich der orchestrale Aspekt in den Mittelpunkt. Vor einigen Jahren haben wir „Roméo et Juliette“ von Hector Berlioz gespielt und wurden dadurch angeregt, dieses Zwischengenre nun mit „La damnation de Faust“ weiter zu erkunden. Das DSO hat dieses Werk lange nicht gespielt, und Tugan Sokhiev ist ein sehr erfahrener und versierter Berlioz-Dirigent. Das allein ist Grund genug, dieses faszinierende Werk aufzuführen, zumal wir mit dem Tenor Piotr Beczała als Faust, der Mezzosopranistin Agunda Kulaeva als Marguerite und dem Bass Ildebrando D'Arcangelo als Méphistophélès grandiose Sänger gewinnen konnten.

Das Konzert bildet nicht nur den Abschluss einer Saison, sondern bedeutet auch den Abschied vom Chefdirigenten Tugan Sokhiev. Ist das ein wehmütiger oder ein fröhlicher Abschied?

Alexander Steinbeis: Als wir „La damnation de Faust“ auf das Programm setzten, war noch nicht klar, dass Tugan Sokhiev seinen Vertrag mit dem DSO nicht verlängern würde. Es ist kein Geheimnis, dass wir ihn gerne behalten hätten, aber selbstverständlich verstehen wir auch, dass er sich in Zukunft auf seinen Posten als Chefdirigent des Moskauer Bolschoi-Theaters konzentrieren möchte. Manchmal schleichen sich ja Misstöne ein, wenn beiden Seiten klar ist, dass ein Vertragsverhältnis endet, das ist bei uns gar nicht der Fall. Gerade in den letzten Monaten sind ein tiefes Vertrauen und eine Entspanntheit zwischen ihm und dem Orchester zu spüren, die wir alle sehr genießen. Es ist eine schöne Tradition des DSO, die früheren Chefdirigenten regelmäßig wieder zu Konzerten einzuladen, die wir fortsetzen wollen. Tugan Sokhiev wird auch den Saisonabschluss des kommenden Jahres dirigieren, daran kann man sehen, wie gut das Verhältnis nach wie vor ist.

Der neue Chefdirigent ist zwar gefunden, aber Robin Ticciati tritt erst im Herbst 2017 an. Gerade in der Jubiläumsspielzeit steht das Orchester ohne Chefdirigent da. Bereitet Ihnen das schlaflose Nächte?

Alexander Steinbeis: Wir feiern das 70. Gründungsjubiläum des DSO und stellen dafür gleich fünf Chefdirigenten in den Mittelpunkt, vier unserer ehemaligen und den zukünftigen. Tugan Sokhiev ist selbstverständlich dabei, Kent Nagano wird zwei Programme dirigieren, Vladimir Ashkenazy wird 80 Jahre alt und feiert das mit uns, Ingo Metzmacher ist ebenfalls dabei, und Robin Ticciati kündigt sich mit einem Vorgeschmack auf seine Chefdirigentenzeit bereits an. Wir haben keinerlei Grund für schlaflose Nächte, sondern freuen uns auf eine abwechslungsreiche Saison 2016/17. Aber vorher konzentrieren wir uns mit „La damnation de Faust“ noch auf den Blick eines der aufregendsten französischen Komponisten auf eine der faszinierendsten deutschen Sagengestalten.

Das Interview führte Uwe Friedrich
Foto: Alexander Steinbeis | © Peter Adamik

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