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Interview mit Abdellah Lasri
Der junge marokkanische Tenor Abdellah Lasri wurde 1982 in Rabat geboren. Seine musikalische Ausbildung absolvierte er bei Glenn Chambers am Conservatoire National Supérieur in Paris. Im Juni 2009 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab. Abdellah Lasri ist Finalist des Operalia-Wettbewerbes. Der Sänger war Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper im Schiller Theater Berlin. Seit der Spielzeit 2013/14 ist Abdellah Lasri festes Ensemblemitglied am Aalto-Theater Essen, wo er besonders mit dem Werther großen Erfolg hatte. Im November 2014 erhielt er den renommierten »Preis für junge Nachwuchskünstler« vom Aalto-Theater Essen. Wichtige Gastspiele führten Abdellah Lasri mit dem Werther und Rodolfo in »La Bohème« an die Opéra Bastille in Paris, mit seinem Rollendebüt als Des Grieux in »Manon Lescaut« an die Oper Graz und als Rodolfo an das Teatro dell’Opera in Rom in den Caracalla-Thermen.

Alfredo Germont und Violetta Valery, das Liebespaar in Giuseppe Verdis Oper »La traviata«, sind junge Leute. Sie selbst sind ein junger Mann, der Regisseur Dieter Dorn und der Dirigent Daniel Barenboim sind hingegen Veteranen der Theatergeschichte. Wie passt das zusammen?
Abdellah Lasri: Es ist etwas ganz Besonderes, mit diesen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Junge Regisseure wollen in der Regel beweisen, dass sie ungeheuer originell sind und dass ihnen etwas vollkommen neues zum Werk eingefallen ist. Das ist auch völlig richtig, denn nur so kann man sich ein Profil erarbeiten. Das hat Dieter Dorn nicht mehr nötig. Er kann sich ganz entspannt auf die Partitur verlassen. Wir arbeiten sehr konzentriert daran, das Libretto und die Romanvorlage zu studieren und die Gefühle freizulegen, und das ist eine willkommene Abwechslung vom Konzepttheater, das die Opern ganz neu erfinden möchte.

Was für junge Regisseure gilt, gilt vielleicht auch für junge Sänger: Müssen Sie sich und den Zuschauern mit ihrer Rolle etwas beweisen?
Abdellah Lasri: Oh ja! Alfredo ist eine sehr schwierige Rolle. Alfredo ist zwar nicht die Titelrolle, aber auf jeden Fall eine Herausforderung. Er ist ein vielschichtiger Charakter, nicht nur der naiv Liebende, der immer gut zu Violetta ist. In der Romanvorlage von Alexandre Dumas ist er noch deutlich unsympathischer gezeichnet, aber auch in der Oper demütigt und verletzt er sie. Andererseits ist er kein schlechter Mensch, ich muss also diese Ambivalenz mit meinem Gesang spürbar machen. Wir machen die Pause nicht nach dem ersten Akt, sondern nach dem ersten Bild des zweiten Akts, ich kann mich vor meiner großen Arie also nicht noch einmal ausruhen. In dieser großen Szene zeigt Alfredo alle seine Gefühle und seine Zerrissenheit. Selbstverständlich kennt das Opernpublikum diese Musik gut und hat bestimmte Erwartungen, und die möchte man als Sänger nicht enttäuschen.

Sie stammen aus Marokko. Wie kommt man dort auf die Idee Opernsänger zu werden?
Abdellah Lasri: Das war Zufall. Ich hatte zwar als Kind Opern im Fernsehen gesehen, aber es gab in Marokko kein Opernhaus mit regulärem Spielbetrieb wie in Europa. Oper war für mich sehr weit weg. Ich wollte aber immer Musik machen. Ich habe mein Studium abgebrochen und im Chor gesungen, habe ein bisschen Gitarre gespielt. Dann habe ich Musikunterricht beim Chordirektor genommen, habe aber damals noch nicht ernsthaft daran gedacht, in einer Oper aufzutreten. Schließlich habe ich ein Stipendium bekommen, konnte in Paris studieren und kam ins Opernstudio der Berliner Staatsoper, habe hier kleinere Rollen gesungen. Danach habe ich größere Rollen an verschiedenen Opernhäusern gesungen, und jetzt bin ich mit einer großen Rolle wieder zurück in Berlin.

Ihre Karriere startet jetzt richtig durch u.a. mit Debüts in Dresden, Paris und Los Angeles. Davon träumt einerseits jeder Sänger, andererseits bedeutet das auch viele Reisen und Einschränkungen im Privatleben. Soll man sich das wirklich wünschen?
Abdellah Lasri: Das ist eine gute Frage. Als ich zwanzig war, wollte ich das auf jeden Fall. Heute sehe ich, dass man dafür auch etwas opfern muss. Aber ich habe mich für dieses Leben entschieden. Ich hätte ja auch Ensemblemitglied an einem Opernhaus werden können, hätte dort meine Rollen gesungen und würde nur ein oder zweimal im Jahr woanders auftreten. Ich mache das anders und genieße die Möglichkeiten, die sich mir jetzt bieten.

Das Interview führte Uwe Friedrich / Foto: Abdellah Lasri | © Hamza Saad