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Interview mit Adrian Jones
In seinem neuen Büro in der Charlottenstraße hat er sich schon gut eingelebt. Adrian Jones sitzt hier seit dem 1. Januar als Orchesterdirektor des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Eigentlich stammt er aus Großbritannien, ist aber schon lange in der Berliner Kulturszene unterwegs – erst selbst am Cello, dann im Management. Und jetzt also das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Da ist er übrigens nicht der einzige Newbie, denn als neuer Chefdirigent für die kommende Saison steht Vladimir Jurowski in den Startlöchern, der bereits jetzt als Designierter Künstlerischer Leiter mit dem RSB arbeitet. Nicht wahr, Adrian Jones?


Ja, genau! In dieser Saison dirigiert Vladimir Jurowski drei Konzertprogramme, das nächste am 24. und 25. März. Und davor war er auch schon drei oder vier Mal beim RSB zu Gast. Die Chemie hat von Anfang an gestimmt, das ist wirklich bemerkenswert. Man kann das gut hören, zum Beispiel auf der im Herbst erscheinenden Aufnahme mit „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss oder auf der gemeinsamen Einspielung von Schnittkes 3. Sinfonie. Da merkt man sofort, dass er die Komplexität solcher Musik sehr gut verständlich machen kann – nicht nur für das Publikum, auch für die Musiker während der Probenarbeit.


Das ist bei solchen Werken, die ja manchmal noch immer auf Unverständnis treffen, eine enorm wichtige Fähigkeit. Wollt Ihr die in Zukunft dann auch vermehrt zum Einsatz bringen?


Auf jeden Fall! Vladimir Jurowski ist bereit, dem Publikum das Repertoire persönlich nahe zu bringen. Er steht dann auf der Bühne und spricht äußerst eloquent über die kompliziertesten Stücke. Sein Umgang mit den Zuhörern ist sehr charmant, das ist wunderbar. Deswegen entwickeln wir zusammen Formate, bei denen er regelmäßig in direkten Kontakt mit dem Publikum treten kann. Aber ich will da noch nicht zu viel verraten.


Natürlich nicht. Aber Vladimir Jurowskis Fähigkeit, zeitgenössische Werke im Kontext von klassischem Repertoire verständlich zu machen, kommt ja auch schon beim nächsten Konzertprojekt im März zum Tragen, oder?


Das Konzert im März ist ein gutes Beispiel für seine Programmatik, es zeigt eigentlich genau, wie er denkt. Das moderne Stück des Programms ist die 4. Sinfonie von Arvo Pärt mit dem Beinamen „Los Angeles“. Sie wurde von Esa Pekka Salonen und dem Los Angeles Philharmonic in Auftrag gegeben, dort 2009 auch uraufgeführt und ist dem russischen Oligarchen und Oppositionellen Michail Chodorkowski gewidmet. Ohne, dass Vladimir Jurowski politisch sein will, ist es so seine Art, gewisse Themen aufzugreifen. Er mag Programmkombinationen, die zum Nachdenken anregen.


Das Stück ist eingebettet in Mozart: Zuerst gibt es die Maurerische Trauermusik und dann das Requiem.


Ja, und genau solche Kombinationen sind ja auch fürs Publikum spannend. Es gibt etwas, das man kennt, und dann noch etwas Neues, das dazu noch super präsentiert wird. Als Rundfunkorchester gehört es zu unseren Aufgaben, auch selten Gespieltes oder Auftragswerke aufzuführen – und dafür haben wir mit Vladimir Jurowski den perfekten Partner gefunden. In diese Richtung wird beim RSB gemeinsam mit ihm noch eine Menge passieren, worauf wir uns alle wirklich freuen können!


Das Interview führte Renske Steen

(c) AndreasTobias